Sipri-Report: Die USA bauen ihre Rolle als größter Waffenexporteur aus

Gut ein Drittel aller weltweiten Waffenexporte stammt inzwischen von US-Firmen, ermittelte das schwedische Friedensforschungsinstitut Sipri. Deutschland rangiert auf Platz vier und hat eine Lieblingskundenregion.

Noch mehr Kampfjets, Lenkwaffen, Bomben. Amerikas Rüstungskonzerne bauen ihre Spitzenstellung als weltgrößter Waffenexporteur aus und hängen immer deutlicher Russland als Nummer zwei ab. Nach einer neuen Analyse des schwedischen Friedensforschungsinstituts Sipri entfielen in der Zeitspanne 2013 bis 2017 nunmehr 34 Prozent aller weltweiten Waffenexporte auf US-Firmen wie Lockheed Martin, Boeing oder Northrop Grumman.

Gegenüber dem vorangegangenen Zeitraum von 2008 bis 2012 bedeutet dies ein Ausbau des Exportvolumens um stolze 25 Prozent. Konkrete Milliardenbeträge werden mangels exakter Statistikmeldungen nicht genannt. Für 2014 hatte Sipri den weltweiten Waffenhandel auf mindestens 95 Milliarden Dollar taxiert.

Die schwedischen Friedensforscher haben bei ihrer jüngsten Analyse die Trends im internationalen Waffenhandel untersucht, der sich etwa seit 2003 wieder belebt. Die fünf größten Exporteure, die USA, Russland, Frankreich, Deutschland und China, liefern 74 Prozent aller weltweit gehandelten Waffen.

Mit 34 Prozent Anteil im Zeitraum 2013 bis 2017 liegen die USA mit Abstand an der Spitze vor Russland, deren Anteil an den weltweiten Waffenexporten in dem Zeitraum auf 22 (zuvor 26) Prozent fiel. Frankreich kommt auf 6,7 (5,8) Prozent, Deutschland auf 5,8 (7,4) Prozent, dicht gefolgt von China mit 5,7 (4,6) Prozent.

Deutschlands Rüstungsexporte sinken

Sipri-Direktor Aude Fleurant gibt in einer Stellungnahme zu bedenken, dass der Aufschwung bei den jetzt analysierten US-Waffenexporten 2013 bis 2017 überwiegend in die Amtszeit des Ex-Präsidenten Barack Obama fällt.

Es ist das höchste US-Niveau seit den späten 1990er Jahren. Erst in den kommenden Jahren wird sich zeigen, wie sich die Exporte unter Präsident Donald Trump entwickeln. Auf Grundlage der in 2017 unterzeichneten Abkommen blieben die USA aber auch in den kommenden Jahren der größte Waffenexporteur, heißt es bei den Friedensforschern.

Aus den Sipri-Daten geht hervor, dass Deutschland, als weltweit viergrößter Waffenexporteur, neben Russland zu den wenigen Ländern gehört, deren Rüstungsexporte im Vierjahresvergleich 2008-2012 sowie 2013-2017 gesunken sind – um 14 Prozent. Ein großer Teil der deutschen Waffenexporte (29 Prozent) geht an andere Staaten in Europa, 13 Prozent nach Amerika und immerhin 26 Prozent in den Mittleren Osten. In diese Region verdoppelten sich die Exporte im Vierjahresvergleich.

Dabei sind die deutschen Waffenexporte in den Mittleren Osten politisch umstritten. Dieses Thema gewinnt aktuell sogar an Brisanz. Soeben hat Saudi Arabien verkündet, weitere 48 Eurofighter-Kampfjets über die britische Regierung und den britischen Rüstungskonzern BAE Systems zu kaufen.

Auf fünf Staaten entfielen 35 Prozent aller weltweiten Importe

Vor gut zehn Jahren wurden im so genannten Salam-Projekt bereits 72 europäische Kampfjets bestellt, wovon bis Ende 2016 insgesamt 68 ausgeliefert waren. Für Diskussionsstoff in der neuen Bundesregierung dürfte nun sorgen, dass Deutschland und deutsche Firmen mit 33 Prozent am Eurofighter-Modell beteiligt sind und jetzt diese Milliardenbestellung ansteht.

Saudi-Arabien ist ohnehin im Zeitraum 2013-2017 zum weltweit zweitgrößten Waffenimporteur aufgestiegen, nur noch übertroffen von Indien. Auf Platz drei rangiert Ägypten, dann die Vereinigten Arabischen Emirate und nun auf Platz fünf China.

Auf diese fünf Staaten entfielen 35 Prozent aller weltweiten Importe. Die Rüstungsimporte von Saudi-Arabien waren 2013-2017 um gewaltige 225 Prozent höher als in der Zeitspanne 2008-2012. Interessant ist, dass von den zehn größten Waffenimporteuren nur zwei Staaten zuletzt weniger Waffen einführten: China und Pakistan. Offensichtlich wandelt sich China immer stärker vom Waffenimporteur zum Waffenexporteur.