Nato weist sieben russische Diplomaten aus

Bündnis solidarisiert sich mit London

Als Reaktion auf den Giftanschlag in Großbritannien weist nun auch die Nato-Militärallianz sieben bei ihr akkreditierte russische Diplomaten aus. Drei weiteren Russen werde die Akkreditierung verweigert, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Dienstag in Brüssel. Der russische Außenminister Sergej Lawrow machte für die Ausweisung zahlreicher Diplomaten seines Landes aus westlichen Staaten die US-Regierung verantwortlich.

„Ich habe heute die Akkreditierung von sieben Mitarbeitern der russischen Vertretung bei der Nato entzogen“, sagte Stoltenberg. Drei laufende Anträge auf eine Akkreditierung würden zudem abgelehnt. Die Zahl der Mitglieder der russischen Mission bei der Nato werde dadurch auf 20 verringert. Damit werde der russischen Seite die „klare Botschaft“ übermittelt, dass es „Kosten und Konsequenzen“ für ihr „inakzeptables und gefährliches Verhaltensmuster“ gebe.

„Die Nato entscheidet, Belgien führt aus“, sagte der Generalsekretär unter Verweis auf den Status internationaler Organisationen wie Nato und EU auf belgischem Boden.

Die Verwerfungen zwischen Russland und dem Westen überlagern sich mittlerweile auch auf den sportlichen Bereich: inzwischen kündigten Großbritannien und WM-Neuling Island einen „diplomatischen Boykott“ an. „Zu den von Island ergriffenen Maßnahmen gehört die Aussetzung der bilateralen Gespräche auf höchster Ebene mit den russischen Behörden“, teilte das isländische Außenministerium am Montagabend mit: „Deswegen werden auch keine Verantwortlichen des Landes in diesem Sommer zur Fußball-WM nach Russland reisen.“

Für Verwirrung sorgte am Dienstag die australische Außenministerin Julie Bishop, die sich mit unklaren Aussagen zur WM geäußert hatte. „Es gibt eine Reihe von weiteren Maßnahmen, die getätigt werden können. Die WM ist eine davon“, sagte Bishop, nachdem das Land zwei russische Diplomaten ausgewiesen hatte.

Wenig später stellte Bishop beim Kurznachrichtendienst Twitter klar, dass sie damit nicht gemeint habe, dass Australien einen sportlichen Boykott der WM in Erwägung ziehe. „Das ist falsch“, schrieb sie. Viel wahrscheinlich ist es, dass sich Australien an der diplomatischen Verweigerung beteiligt.