Wie häufig sollte man an einer Zigarre ziehen?


 
 
 

Vermeintlich lässt sich diese Frage ganz einfach beantworten: Nur so häufig, dass die Zigarre nicht ausgeht und so selten, dass sie nicht zu heiß wird. Damit ist aber sowohl für den Anfänger wie auch den Fortgeschrittenen ein breites Feld weiterer Fragen eröffnet.

Nehmen wir als Beispiel eine handgerollten Zigarre, und der Torcedor hat beim Rollen der Zigarre eine perfekte Arbeit abgeliefert. Somit sind ein gutes Zugverhalten der Zigarre und ein gleichmäßiger Abbrand gegeben. Beides sind wichtige Aspekte, damit die Zigarre auch bei wenigen Zügen pro Minute nicht ausgeht. Handelt es sich aber um eine von Maschinen hergestellte Zigarre (sogenannte Shortfiller), ist das Zugverhalten in aller Regel von Hause aus tadellos. Wegen des zerkleinerten Tabakmaterials in der Einlage brennt die Zigarre aber anders ab als ein Longfiller.

Also, der Torcedor hat eine perfekt gerollte Zigarre abgeliefert. Ferner ist sie über den ganzen Durchmesser gleichmäßig angezündet worden und brennt ebenso gleichmäßig ab. Am Beispiel einer Corona hat Zino Davidoff in seinem „Zigarrenbrevier“ eine Rauchzeit von 50 bis 60 Minuten definiert und dafür empfohlen, ein Mal pro Minute an der Zigarre zu ziehen.

Das klingt nach sehr wenig und dürfte auch selten auf die komplette Rauchzeit gelingen, ohne dass die Zigarre ausgeht. Zwei bis drei Züge pro Minute sollten die Zigarre nicht zu sehr erhitzen. Bei häufigerem Zug an der Zigarre verbrennt der Tabak zu heiß, was wiederum auf Dauer zur Folge haben könnte, dass die Zigarre bitter wird. Übrigens sollte man diese Erkenntnis auch beim Anzünden der Zigarre beachten, was behutsam und langsam geschehen sollte.

Es ist keine Tragödie, wenn die Zigarre einmal ausgeht. Je nach Größe der Zigarre kann man sie mehrere Male wieder anzünden, sollte aber damit nicht länger als eine Viertelstunde nach Erlöschen der Glut warten. Andernfalls haben sich Kondensate und andere für den Geschmack unerwünschte Stoffe, die bei der brennenden Zigarre nicht an den Gaumen, sondern in die Luft gelangen, in der Zigarre abgelagert und werden beim Wiederanzünden mitgeraucht. Insbesondere wenn man eine angerauchte Zigarre erst am nächsten Tag wieder anzündet schmeckt sie meist bitter und nach Nikotin.

Wer neben der Zigarre auch noch Zigaretten raucht, muss von seiner gewohnten Zughäufigkeit unbedingt Abschied nehmen. Die Zigarre ist ein Genussprodukt, das in Ruhe und mit Geduld geraucht werden will. Der geübte Zigarrenraucher verschmilzt mit seiner Zigarre, erfühlt bei jedem Zug, ob sie noch perfekt brennt und reguliert den Zustand gegebenenfalls mit einem kurzen Aufblitzen des Feuerzeugs. Das macht auch Sinn, wenn sie ein wenig ungleichmäßig abbrennt.