Begehrter Riesling aus Rheinhessen: 1800 Euro pro Flasche

Im rheinhessischen Flörsheim-Dalsheim baut die Familie von Klaus Peter Keller seit 1789 Wein an

 
 
 

Vierstellige Beträge wurden bisher vor allem für Weine aus Bordeaux, Burgund und Kalifornien fällig. Ein deutscher Riesling erzielt nun auch Höchstpreise. Mit etwas Glück probieren Sie aber fast umsonst.

Rund 1800 Euro werden bei Ebay für eine Flasche eines bestimmten Weins verlangt. Pro Flasche, wohlgemerkt. Es ist kein Grand Cru aus dem Burgund, er stammt auch nicht von einem der berühmten Châteaux bei Bordeaux, sondern aus der Bahnhofstraße in Flörsheim-Dalsheim.

Das liegt in Rheinhessen, in der Nähe von Alzey, und ist die Adresse des Winzers Klaus Peter Keller. Auf dem Etikett seines begehrten Weins steht nicht einmal, wie bei Spitzenweinen üblich, eine berühmte Lage. Stattdessen nur der Name G-Max, der Jahrgang und die Rebsorte Riesling.

„Indem er nicht verrät, aus welchen Lagen der G-Max stammt und wie viele Flaschen er davon füllt, hat Keller zur Mythenbildung beigetragen“, sagt der Hamburger Sommelier David Eitel. Aber auch hohe Bewertungen der Weinkritiker spielten eine Rolle. So hat etwa der Weinführer Vinum den G-Max kürzlich zum besten trockenen Riesling gekürt.

Der Winzer selbst beschrieb seinen G-Max einmal wie folgt: „Er tänzelt wie eine Primaballerina über die Zunge, hat aber dann einen Nachhall, der minutenlang nachklingt. Das ist das eigentlich Tolle an dem Wein.“

Keller sei eine eigene Liga im Riesling, sagt der Stuttgarter Sommelier Marcus Stich. Das ganze Sortiment findet er herausragend. Auch für trockene Rieslinge mit Namen wie Hubacker, Abtserde oder Kirchspiel würden leicht dreistellige Beträge fällig. Zumindest auf dem Sekundärmarkt, also vor allem bei Ebay.

Vom Weingut direkt werden die Flaschen nur in einer gemischten Zwölferkiste verkauft. Darin sind auch zwei Flaschen G-Max. Rund 1400 Euro wurden für den Jahrgang 2017 fällig. Dass für eine einzige Flasche G-Max mehr verlangt werden kann als für die ganze Kiste, liegt auch an der Verkaufspolitik des Weinguts. Grundsätzlich kann jeder die Weine kaufen. Aber da die Nachfrage größer ist als das Angebot, entscheiden die Kellers, wer Kunde wird und wann. Wer schneller zum Zug kommen oder einen älteren Jahrgang probieren möchte, muss sich anderweitig umschauen.

2010 habe man den G-Max ab Weingut noch flaschenweise für 158 EUR haben können, weiß André Wittich-Wondraczek, der Gründer der Weintauschbörse auf Facebook (Devise: „Ich hasse es Wein bei eBay zu verkaufen!“). 2011 kam dann die Keller-Kiste. „Wohl um die Begehrlichkeiten um den G-Max einzudämmen und die Flaschen klug zu verteilen“, vermutet Wittich-Wondraczek. So richtig geklappt hat das offensichtlich nicht. Auch Marcus Stich findet die Idee mit der Kiste im Prinzip gut: „Die Kellers wollen den Wein jemandem geben, der ihn versteht und schätzt.“ Wenn er allein den Preis entscheiden ließe, gingen die Flaschen dagegen ausschließlich an die, die ihn bezahlen können. Preistreiber auf dem Sekundärmarkt fallen in Ungnade, heißt es.

Nun sind 1400 Euro für 12 Flaschen immer noch ein stolzer Preis, und auch Klaus Peter Keller verachtet das Prinzip des höchsten Gebots nicht generell. Bei der Versteigerung des Verbands Deutscher Prädikats-und Qualitätsweingüter (VDP) erzielte er im September 2018 für den trockenen Riesling aus der Lage Pettenthal 950 Euro – für jede seiner 343 Flaschen. Keine gereifte Rarität wohlgemerkt, sondern der aktuelle Jahrgang. Selbst der VDP staunte darüber.

Die Riesling-Wunder von morgen

Obwohl Marcus Stich eine hohe Meinung von den Keller-Weinen hat, ist er angesichts der Preissteigerungen skeptisch. Wie bei anderen sehr gefragten Produkten bilde der Preis irgendwann nicht mehr nur die Qualität ab. Dass ein deutscher Wein solche Preise erzielt, findet er trotzdem „toll“. Für das Image und die Wertschätzung des deutschen Weins insgesamt sei solche Aufmerksamkeit wichtig. Als Kandidaten, denen solche Kunststücke ebenfalls gelingen könnten, fallen ihm vor allem Rheinhessen ein: „Battenfeld-Spanier, Wagner-Stempel, Kühling-Gillot.“

„Georg Breuer im Rheingau und Wittmann in Rheinhessen“, ergänzt André Wittich-Wondraczek. David Eitel setzt auf die Pfälzer Weingüter Ökonomierat Rebholz und Dr. Bürklin-Wolf.

Neben hervorragender Qualität und Reifepotential entscheidend ist die Exklusivität, wie sie durch von Keller vorgemachte Verknappung erzeugt wird. Das Traurige dabei ist: Je gefragter der Wein, desto seltener wird er tatsächlich geöffnet. Das war bei den Keller-Weinen vor ein paar Jahren noch anders. Den G-Max gibt es seit dem Jahrgang 2001. „Damals wurden die Weine noch getrunken“, sagt Wittich-Wondraczek von der Weintauschbörse. Dadurch sind die wenigen verbliebenen Flaschen aus den ersten Jahrgängen noch viel teurer.

Wer nun einen der Keller-Weine kosten möchte, ohne ein Vermögen auszugeben, hat es schwer. Bei den wenigen Händlern, die ihn führen, sind die Flaschen schnell vergriffen, und auf Messen und Weinproben sucht man Klaus Peter Keller vergebens. Marcus Stich hat dennoch einen Tipp: Auch als Privatmensch könne man nämlich für die VDP-Auktionen Eintrittskarten kaufen. Und bei den sogenannten nassen Versteigerungen werden die Weine erst zum Probieren ausgeschenkt, bevor das Bieten beginnt. Vollkommen kostenlos, vom Eintrittspreis einmal abgesehen.