Molzon Concept: Ein Auto wie aus der Muppet-Show

Für manche Autos muss man einfach mehr bieten. SPIEGEL ONLINE zeigt Fahrzeuge mit berühmten Vorbesitzern und Raritäten, die versteigert werden. Diesmal: das private Glück eines Autoenthusiasten.

Unterm Hammer: Der Molzon Concept Corsa GT38, Baujahr 1968.



Die teuersten Autos der Welt sind oft keine Neuwagen, sondern gebrauchte: Oldtimer, die sich in Händen reicher Sammler befinden oder nach langer Vergessenheit plötzlich aus Scheunen wieder auftauchen. Für den gewöhnlichen Auto-Enthusiasten bleiben diese Fahrzeuge unerreichbar, nur mit ganz viel Glück bekommt man sie mal zu Gesicht. In seltenen Momenten ergibt sich aber die Gelegenheit, etwas über diese Traumwagen zu erfahren: Wenn sie versteigert werden.

Bevor die Autos zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten wieder verschwinden, werden die alten Storys über sie neu erzählt oder sogar Geheimnisse gelüftet. Je schillernder die Geschichte eines Autos, desto höher sein Marktwert. Die glamourösesten Fahrzeuge stellen wir in einer Serie in loser Reihenfolge vor. Sie sind unsere Helden unterm Hammer - die Auction Heroes.

Warum mitbieten? Das Auto ist weiß Gott keine Schönheit. Vergleiche findet man eher im Handpuppenbusiness als im Automobilbereich - der Molzon hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Gonzo aus der Muppet-Show. Aber das Aussehen spielt bei diesem Wagen eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist der Geist, aus dem er entstanden ist.

Dieser rote Sportwagen verkörpert das - leider gar nicht so häufig zu findende - Glück eines Menschen, der in seinem Beruf die Erfüllung gefunden hat. In diesem Falle ist es das Glück des William "Bill" Molzon.

Der US-Amerikaner Molzon heuerte 1963 als junger Mann in der Design-Abteilung von GM an. Wie sich herausstellte, saß er genau am richtigen Platz und damit an der Quelle, um seinen persönlichen Traum zu verwirklichen: die Konstruktion eines eigenen Autos; eines Autos, das schneller beschleunigt als eine Corvette.

Molzon war kein Start-up-Genie, das eine eigene Marke kreieren wollte. Er war Angestellter eines Autoherstellers in Michigan, der so für seinen Job brannte, dass er ihm auch nach Feierabend nachging. Genauer gesagt brannte er für den Gegenstand seines Jobs. Denn er schob ja keine Überstunden für GM, sondern bastelte an dem Wagen, der seinen Namen tragen sollte. Er handelte aus Privatvergnügen.

Der Molzon basiert auf einem Stahlrohr-Chassis, Bill baute es mit Unterstützung seines Schwiegerpapas. Diesem gehörte praktischerweise ein Fertigungsbetrieb im US-Bundesstaat Ohio. Bei Besuchen schleppte der junge Molzon Rohre an, die der Vater seiner Frau dann zusammenschweißte.

Das Material für die Kunststoffkarosserie stammte aus Restbeständen von General Motors, das Design natürlich von Molzon selbst. Tagsüber war er unter anderem für die Gestaltung der Chevy-Modelle Nova, Camaro und Vega zuständig - eher schlichte Mittelklasse- und Muscle-Car-Modelle; seine Eigenkreation war dagegen viel exzentrischer und in ihrer Formsprache europäisch.

Molzon selbst bezeichnete seinen Entwurf im Autoklassiker-Fachblatt "Hemmings Daily" als "zeitlos". Und weil er offenbar ein kluger Mann ist und ehrlich zu sich selbst, verzichtete er auf weitere Adjektive wie zum Beispiel "zeitlos schön". Die gewagte Kombination von Scherentüren und Klappscheinwerfern an einem Auto trauten sich nach Molzon jedenfalls nur noch die Testosteronbolzen von Lamborghini.

Über das Design des Wagens lässt sich streiten, zweifellos haben wir es hier aber mit einer Fantasie mit Straßenzulassung zu tun, einem puren Entwurf, bei dem weder eine Vorstandsetage noch eine Marketingabteilung reinpfuschten. Hätte ein bisschen konstruktive Kritik dem Wagen gut getan? Vielleicht. Wäre das Auto dann langweiliger geworden? Bestimmt.

Was den Antriebsstrang betrifft, ging der gelernte Ingenieur Molzon ebenfalls keine Kompromisse ein. Er pflanzte seinem Auto einen Sechszylinder-Boxermotor ein, der damals in den Chevrolet Corvairs zum Einsatz kam.

Diese Motoren waren untypisch für GM: Sie hatten hängende Ventilköpfe (OHV), waren luftgekühlt, flach gebaut und saßen im Heck. Molzon griff allerdings nicht zur Stangenware, sondern nutzte einen der aufgemotzten Boxer des Chevy-Motorenentwicklers Don Eichstaedt mit 2,7 Liter Hubraum und 200 PS.

Das Fünfgang-Getriebe stammte aus einem damals noch jungen Sportwagenmodell aus Deutschland: Molzon verbaute in seinem Privatschatz das Transaxle-Getriebe des Porsche 911, bei dem Motor und Getriebe voneinander getrennt sind.

Die Abmessungen waren extrem kompakt, der Molzon war nur knapp dreieinhalb Meter lang und nur einen Meter hoch. Außerdem wog er gerade mal etwas mehr als eine halbe Tonne. Was 200 PS mit so einem Wagen anrichten, kann man sich ja ausmalen. Es dauerte sechs Jahre, ehe Molzons Traum erfüllt war. Das Ziel, sein Baby solle schneller beschleunigen als eine Corvette, hatte er erreicht.

Zuschlag! Der Molzon kommt im Januar 2018 bei einer Versteigerung in Scottsdale, Arizona, unter den Hammer. Das Auktionshaus Bonhams ruft zwischen 85.000 und 100.000 Euro für den Wagen auf.

Bill Molzon ist heute 78 Jahre alt und sein Wunsch ist es, dass sein 50 Jahre altes Meisterwerk in ein Museum kommt. Seine Eigeninitiative von damals hatte sich übrigens ausgezahlt: Ein Jahr nach Fertigstellung seines Privatwagens wurde er von Chrysler abgeworben und stieg dort zum Vizechef der Designabteilung auf.